Boyle beschreibt in bester Tradition eines Entwicklungsromans die unfreiwillige Reifung von Felix „dem Glücklichen“ über den Zeitraum eines einzelnen Sommers hinweg.

Buchtipp: "Grün ist die Hoffnung" von T.C. Boyle

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4,4 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Wer noch auf der Suche nach einer ebenso witzigen wie fesselnden Urlaubslektüre ist, kann die Suche jetzt einstellen – T.C. Boyle’s Roman „Grün ist die Hoffnung“ ist nämlich genau das und noch einiges andere mehr. Die Moral von der Geschichte lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Verbrechen zahlt sich nicht aus. Das muss auch Felix Nasmythe, der Protagonist dieses skurrilen Abenteuers am Ende eines langen und arbeitsreichen Sommers feststellen. Was ihm und seinen beiden Best Buddys Phil und Gesh auf knapp 400 Seiten widerfährt, gehört meiner Meinung nach zu dem Witzigsten, das T.C. Boyle je geschrieben hat. Ich selbst habe den Roman zum ersten Mal kurz nach seiner deutschen Erstveröffentlichung im Jahr 1990 gelesen. Im Jahr 2016 erschien „Grün ist die Hoffnung“ in einer neuen Übersetzung und ich hatte letzten Winter das Vergnügen die Geschichte als Hörbuch genießen zu dürfen – vorgelesen von meiner Verlobten, die (das muss jetzt einfach mal gesagt werden, mein Schatz) natürlich die beste Vorleserin der ganzen Welt ist.

Zum Inhalt

Felix Nasmythe ist 31 und führt das typische Leben eines zu spät geborenen Hippies. Er ist, um es mal sehr diplomatisch auszudrücken, nicht der beste Chancenverwerter, wenn es darum geht seinem Leben ein wenig Plan und Struktur zu geben. Auch an Durchhaltevermögen mangelt es ihm gehörig und so lässt Boyle seinen Antihelden schon zu Beginn des Romans leicht desillusioniert resümieren:

„Ich hab nie was zu Ende gebracht. Ich bin aus der Pfadfindergruppe, dem Chor und der Marschkapelle ausgetreten. Hab aufgehört, Zeitungen auszutragen und in die Kirche oder zum Basketballtraining zu gehen.“

Nach ebenso zahlreichen wie schlecht bezahlten Jobs bestreitet Felix seinen Lebensunterhalt mit dem (gelegentlichen) Restaurieren viktorianischer Villen in San Francisco. Nebenher hat er sein (bereits einmal abgebrochenes) Studium der englischen Literatur des 19ten Jahrhunderts wieder aufgenommen und lebt als Single in den Tag hinein. Bis eines Abends überraschend sein alter Kumpel Herbert Vogelsang auftaucht. Vogelsang ist reich und gerissen, nein besser: reich weil gerissen, und er hat einen Plan.

Mit einer Tüte voll Cannabis-Samen, einem brachliegenden Grundstück irgendwo im Nirgendwo und ein wenig körperlicher Arbeit, will er in einem Sommer gut anderthalb Millionen Dollar machen. Genauer gesagt will er, dass Felix das macht – er selbst stellt Saatgut und Grundstück nebst einer darauf befindlichen Hütte zur Verfügung, Felix soll den schweißtreibenden Teil übernehmen und Marihuana anbauen. Ein mit Vogelsang befreundeter Botaniker würde alle paar Wochen vorbeischauen und nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen schauen. Nach der Ernte, so rechnet Vogelsang dem zunehmend faszinierten Felix vor, hätte man tausend Pfund Marihuana à sechzehnhundert Dollar, geteilt werde dann durch drei. Weiterhin schlägt Vogelsang als wahrer Künstler der Manipulation dem noch rechnenden Felix vor, dessen alten Kumpel Phil mit ins Boot zu holen… zu zweit würde sich die Arbeit im „Sommerlager“ doch viel leichter erledigen lassen. Zwei Bier später willigt Felix in Vogelsangs Vorschlag ein und die Katastrophe nimmt ihren Lauf…

Boyle beschreibt in bester Tradition eines Entwicklungsromans die unfreiwillige Reifung von Felix „dem Glücklichen“ über den Zeitraum eines einzelnen Sommers hinweg. Blauäugig stolpert er mitten hinein in ein ebenso illegales wie nervenzehrendes Abenteuer, macht Bekanntschaft mit neugierigen Redneck-Nachbarn, bekifften Bären und einem cholerischen Dorfsheriff. Und immer wieder ist es die Natur, die das Trio (Phil’s Freund Gesh ist auch mit von der Partie) an ihre Grenzen bringt: Glühende Hitze, monsunartiger Regen und Schlamm gefährden ihre geistige Gesundheit und die geplante Ernte. Blauäugig ist Felix nach diesem Sommer garantiert nicht mehr… vielleicht eher mit einem blauen Auge davongekommen? Oder vielleicht doch ein bisschen verliebt? Ich würde so etwas doch NIE verraten, viel Spaß beim Nachlesen.

Der Autor

Tom Coraghessan Boyle wird 1948 in New York als Sohn irischer Einwanderer geboren. Sowohl Vater als auch Mutter sind Alkoholiker, bieten also beste Voraussetzungen für das, was allgemeinhin als „schwere Kindheit“ bezeichnet wird. Tom macht sich bereits in jungen Jahren einen Namen als Schulschwänzer und Herumtreiber und schafft seinen Highschool-Abschluss nur mit Ach und Krach. Während des anschließenden Geschichtsstudiums entdeckt Boyle seine Liebe zum Schreiben. Nach einem kurzen Intermezzo als Lehrer siedelt Boyle mit seiner Frau nach Iowa um, studiert Englische Literatur (nicht die einzige Gemeinsamkeit mit Felix) und beginnt ernsthaft zu schreiben. Während eines Writers Workshop wird John Irving auf den jungen Schriftsteller aufmerksam und fördert ihn. Mit der Veröffentlichung seines ersten Erzählbandes scheint bei Boyle ein Damm gebrochen und er schreibt, und schreibt und dann schreibt er noch ein bisschen. Boyle selbst sagt zu seinem unglaublichen Output von beinahe einem Buch pro Jahr:

„Meine Agenten sagen immer, ich soll nicht so schnell schreiben. Ich schreibe aber nicht wegen des Geldes, Schreiben ist mein Leben! Vielleicht schreibe ich ganz viele Bücher auf Vorrat, dann könnte man die noch nach meinem Tod jahrelang herausbringen. Wie Jim Morrison, der bringt auch noch jedes Jahr eine neue Platte heraus.“

Die Fakten

  • Titel: Grün ist die Hoffnung
  • Autor: T.C. Boyle
  • Deutsche Erstausgabe: 1990
  • Verlag: dtv
  • 384 Seiten (Taschenbuchausgabe)
  • ISBN: 978-3-423-14569-5
  • Preis: ab 11,90 Euro

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24 Kommentare


3
#1
27.7.18, 16:11
Super Zusammenfassung und exzellenter Schreibstil👍 Wann gibt es von DIR das erste Buch??
#2
27.7.18, 16:13
Wollte noch sagen - gehe jetzt zu Google Play und suche ...
1
#3
27.7.18, 18:55
das Buch ist schon 1984 erschienen. eine nette Unterhaltung, mehr aber nicht.
wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sollte man es bekifft lesen. dazu kann ich aber nichts sagen, habe nie gekifft.
1
#4
27.7.18, 21:03
Es klingt wirklich witzig.
Kann ich mir mal merken, denn meine Urlaubslektüre für dieses Jahr hab ich schon.
1
#5
13.8.18, 09:52
@Kriss: Super Buchtipp. Ich habe dies Buch wie viele andere von T.C. Boyle vor ein paar Jahren bereits gelesen und war auch absolut begeistert.
@lexus: Auch ohne Joint oder Splif hat mir dieses Buch ganz viel Spaß gemacht.
1
#6
13.8.18, 10:37
Ein-Frag-Mutti-Tipp oder ........? 
Mag sein, dass dies als ein monetär geförderter Buchtipp mitsamt nachweisbar textlich übernommener Ankündigung gelten könnte, jedoch ist dies *ausschließlich* und *uneingeschränkt* unbeliebte Werbung. 
Vielleicht ist es nicht bekannt, dass dieses - hier so überaus angepriesene - Buch bereits mehrfach und sehr deutlich "verrissen" wurde.
Eine derartige "Urlaubslektüre"? *schüttel*
1
#7
13.8.18, 10:37
Danke für den interressanten Buchtipp. Ist notiert und wird besorgt. Geht auch gar nicht anders; Sie haben so hübsch geschrieben, dass man fast traurig ist, dass Sie den Rest der Geschichte nicht auch noch "freihändig" zu Ende erzählen. Sehr schön....
1
#8
13.8.18, 12:16
Schätze sonst Deinen Geschmack zwar sehr (Eleanor & Park - danke!) , aber dieses Buch hatte mir zuviele Längen.
Dürre, Hitze, Regen und Schlamm machten auch mir beim Lesen zu schaffen. Da hätte auch kiffen wohl nicht geholfen.....  😏
Meinem einem Kumpel gefiel es wohl gut, er hat es mir nie zurückgebracht!
T.C. Boyle gehört aber auf alle Fälle zu den besten Schriftstellern und ich habe schon viel von ihm gelesen - in einm Urlaub hatte ich die "Terranauten" dabei - allerdings ein sehr dickes, schweres Buch - aber das fand ich superspannend !  Ebenfalls "Hart auf hart" Kennste beide sicher auch?
#9
13.8.18, 15:09
Mir persönlich wäre es lieber, man würde Werbung draufschreiben, wenn Werbung drin ist.

Dass das kein echter Tipp ist, sieht man an dem Amazon-Affiliate-Link bei den Fakten.

Das ganze Internet finanziert sich durch Werbung und das ist auch okay so. Wir würden uns umschauen, wie schlecht das Angebot wäre, wenn es keine Werbung geben würde. Aber bitte bringt keinen "Tipp" als Newsletter, mit dem ihr einfach nur Geld verdienen möchtet.

Viele Grüße
Roland
#10
13.8.18, 15:11
Ich habe erst kürzlich auch ein sehr, sehr trauriges Buch
gelesen das mich jedes Mal aufs Neue zu Tränen rührt:



"Mein Sparkassenbuch!"
1
#11
13.8.18, 15:40
@Unwetterhasser: ich habe meins vernichtet. Irgend jemand hat da alles rausgelesen, es war plötzlich leer.
Das warst bestimmt du😁
2
#12
13.8.18, 18:56
Das ist jetzt nicht Euer Ernst? Die "Werbung" erscheint bei fast jedem Tipp, z.B. wenn man bei einem Kochrezept irgendwo "Stabmixer" schreiben würde, kommt auch  ein link zu A....n - das ist wohl von FM so eingestellt - da kann der Tippschrieber nix für! Seid Ihr evtl. neu oder ist es Euch nur noch nie aufgefallen?
#13
13.8.18, 19:00
z.B. beim Tipp : "Ikea Sofabezüge selber waschen" findet Ihr Werbung für : FEINWASCHMITTEL mitten im Tipp.....








#14
13.8.18, 20:06
Was heißt 
T.C.  ?
Und T.C. Boyle?
1
#15
13.8.18, 21:37
@hejja: 

T.C. steht für die Vornamen Tom und Coraghessan. Geboren wurde T.C. Boyle allerdings als Thomas John Boyle - den irischen Namen Coraghessan hat er sich selbst gegeben.

@ANNY2:

Danke, dass du den Punkt mit der Werbung erklärt hast :)
1
#16
13.8.18, 21:39
@hejja:  T.C. Boyle ist ein ameriaknaischer Schriftsteller. Die beiden Buchstaben stehen als Abkürzung für die zwei Vornamen Tom Coraghessan und Boyle ist der Nachname. 
1
#17
13.8.18, 22:41
@Upsi: 
Nein das war ich nicht!
Da musst Du Dich an den Verlag  "EU-Geldbankennullprozentregulierungskommision" wenden.
Die aus gewissen Büchern was Dir bleibt nicht Realität weil.., es nie so gewesen ist.
Wir regulieren uns selbst oder wir lassen uns eben regulieren.
#18
13.8.18, 23:33
@ANNY2: 
Es macht aber einen wesentlichen Unterschied zwischen eingeblendeter Werbung und einem bezahlten "Buchwerbetipp" mitsamt fremdübernommener textlicher Ankündigung, der hier völlig deplaziert erscheint. Sofern dies als reiner User-Buchtipp - ohne fremdgetextete Angaben erscheint - mag es eher verständlich sein. Wer sich für den Buchtipp interessiert, kann dies an entsprechender Stelle erfahren. Aber dieser "Buchtipp" hinterläßt einen schalen Beigeschmack.

Vielleicht - auf Grund des Hinweises auf seine Schatzilein-Vorleserinnentätigkeit - wäre dieser Tipp bei Audible angebracht?

Und ja, ich weiß, was Werbung bedeutet.
#19
14.8.18, 07:53
@Kriss : kannst Du das selber nochmal erklären? "Buchwerbetipp" mitsamt fremdübernommener textlicher Ankündigung" ( siehe Vorrednerin ) klingt ja schon komisch?
#20
14.8.18, 10:36
@ANNY2:  Schade, aber Kriss wird diese Anfrage nicht beantworten. 
Mit rudimentärsten Kenntnissen im Verlagswesen - jedoch *ausschließlich* im bezahlten Werbebereich - wird er Ihnen sicher "erklären" (wie benannt), was Texter und redigierende Personen -  entgegen Ihrer vorherrschenden Meinung - leisten müssen und auch imstande sind. Ein derartig gutdotiertes Verhalten im Werbebereich ist mehr als unangemessen.  
Aber Werbung - Ihrer Meinung nach - ist so *irgendwas*? Von anderen Personen nicht erkennbar und in dieser Art zu dulden?   

SCNR für .....
#21
14.8.18, 13:50
@ANNY2: 

Tut mir leid, ich kann dir das auch nicht näher erklären, da ich aus den etwas wirren Ausführungen von maggie17 ebenfalls nicht schlau werde... viele Worte aber keine konkrete Aussage, um was es eigentlich geht. 
1
#22
14.8.18, 19:49
@Kriss: Danke 💐
1
#23
14.8.18, 19:55
@Frl. Wunder: Danke  für die Aufklärung, Man  bin ich bekloppt 😩😩😩
 Die Türken verwenden dieses  T.C.  Für türkisches Republik (Türk Cumhuriyeti)
Ich konnte mir das einfach nicht erklären🙄
#24
16.8.18, 17:00
@hejja: Liebe Hejja,  d a s  wusste ich z.B. nicht. Deshalb wäre es auch höchstens bekloppt, wenn man nicht nachfragt... Man kann ja nicht alles wissen, drum danke ich Dir ebenfalls für die Aufklärung. 😃

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